Maissen meint

Echo für den Teamerfolg

Die Art und Weise wie wir unserer Arbeit nachgehen, hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Weg von der Fremd-, hin zur Selbstbestimmung. Hierarchien wurden flacher, Arbeitsformen durch die Digitalisierung flexibler und mobiler. Arbeit und Präsenz haben sich voneinander wegbewegt. Die Work-Life-Balance hat sich als universelles Burn-Out-Vorbeugemittel etabliert und neue Arbeitsmodelle wie Jobsharing, Shared Workspaces und Home-Office sind je länger je beliebter geworden. Wir arbeiten um zu leben – nicht umgekehrt. Was aber ist mit dem Echo, das wir brauchen, um Erfolg zu haben?

 

Arbeit und Leben trennen? Warum?

Das Konzept der Work-Life-Balance geht meines Erachtens von einem falschen Grundkonzept aus. Einem Konzept, das eine strikte Trennung zwischen Arbeit und Leben insinuiert. Die beiden Bereiche sind nicht wirklich zu trennen. Arbeit ist Leben und umgekehrt. Wer halb arbeitet und halb lebt, macht beides nur halbpatzig.

 

Von Motivatoren und Hygienefaktoren

Die Zwei-Faktoren-Theorie des amerikanischen Arbeitswissenschaftlers Frederick Herzberg geht davon aus, dass die Motivation von Mitarbeitenden von zwei Einflussgrössen abhängt: Hygienefaktoren und Motivatoren. Hygienefaktoren wie Lohn, Führungsstil oder Arbeitsplatzsicherheit verhindern Unzufriedenheit, fördern aber nicht die Zufriedenheit. Sie werden vorausgesetzt. Unzufrieden wird man nur, wenn sie nicht stimmen oder gar nicht vorhanden sind. Motivatoren wie Anerkennung, Verantwortung oder Arbeitsinhalte hingegen können die Zufriedenheit steigern. Ihr Fehlen sorgt aber nicht für Unzufriedenheit.

 

Strukturen bieten Orientierung

Wir legen heute viel Gewicht auf Motivatoren. Dabei geht die Wichtigkeit der Hygienefaktoren vergessen. Wo früher ein sicherer Arbeitsplatz und eine erfüllende Tätigkeit in einem arbeitsfreundlichen Umfeld mit angemessener Entlohnung genügten, sind heute firmeninterne Life-Coaches oder Chief Happiness Officers gefragt. Jeder sucht nach der einzig seligmachenden inneren Erfüllung. «Me first» scheint die Devise für viele zu sein. Was aber ist mit den Mitarbeitenden, die sich auf ihre Kernkompetenz konzentrieren wollen und froh sind, wenn sie in einer bestehenden und funktionierenden Struktur arbeiten können? Dass Organisationsstrukturen geschaffen und bezahlt werden müssen, wird gerne vergessen.

 

Ego versus Echo

Nehmen wir das Beispiel Home-Office: Obwohl wir beinahe überall mit dem Internet und den Geschäftsablagen verbunden sind, hat kein Exodus aus den Büros stattgefunden. Warum? Vermutlich sind viele Arbeitnehmer nicht für Home-Office gemacht. Vermutlich fehlen ihnen Zuhause die sozialen Kontakte zu den Kollegen oder die Orientierung, die ein geregelter Arbeitsalltag auch gibt. Vermutlich fehlt ihnen eine unmittelbare Rückmeldung, ein Echo auf ihre Arbeit. Es ist nicht einfach, sich im heimischen Umfeld abzugrenzen und sich zu konzentrieren. Vor lauter Fokussierung auf Selbstverwirklichungsdrang und die Suche nach grenzenloser Freiheit um jeden Preis, vergessen wir die Mitarbeitenden, die sich an einem vermeintlich traditionellen Arbeitsplatz wohlfühlen und dort ihre beste Leistung erbringen.

 

Nicht alle Wände schränken ein

Besinnen wir uns auf die Stärken des zwischenmenschlichen Austauschs. Sorgen wir dafür, dass wir gemeinsam auf ein Ziel hinarbeiten. Es sind nicht die schillernden Rahmenbedingungen, die uns voranbringen, sondern das Echo auf unsere Arbeit, der kurze inspirierende Austausch am Stehtisch beim gemeinsamen Espresso. Leben ist Arbeiten ist Leben. Hören wir auf, beides strikte voneinander trennen und um jeden Preis neue Arbeitsmodelle durchsetzen zu wollen. Reissen wir nicht aus Prinzip alle vermeintlich einschränkenden Wände ein. Von einigen schallt das Echo wieder, das uns erfolgreich macht.

Geschäftsführer 08EINS Haempa Maissen

Haempa Maissen, Unternehmer und Veränderer. In loser Folge lässt der Geschäftsführer von 08EINS in der Südostschweiz seinen Gedanken rund um den Arbeitsplatz freien Lauf.

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